Dienstag, 9. November 2010

Stricken ist "in"

so steht es heute in unserer Zeitung und bestätigt somit offiziell, was wir schon längst wussten. Juchu, nachdem auch die Medien dieses Hobby nun als zeitgemäß eingestuft haben, fühle ich mich doch gleich um einiges sicherer. Nie mehr muss ich mich jetzt von der Seite komisch anschauen lassen, oder ein schlechtes Gewissen haben, wenn meine Kinder mit einer selbstgestrickten Mütze durch das Lebens laufen. Jetzt kann ich diesen Artikel ( werde ihn gleich sofort in meinen Strickbeutel stecken) jedem unter die Nase halten, der meint darüber die Nase rümpfen zu müssen, denn "STRICKEN IST IN".

Nein, und damit ihr keinen falschen Eindruck bekommt über meine leicht sarkastischen Zeilen, sei hier gesagt, überwiegend erntet man mit Handarbeiten jeglicher Art positive Ressonanz. Ob im Wartezimmer des Arztes, auf dem Sportplatz oder bei Bus- und Zugfahrten, oft ergibt sich daraus ein nettes Gespräch mit dem jeweiligen "Nachbarn".

Nein, meine Eingangszeilen bezogen sich auf ein Erlebnis, als unser heute 17 -jähriger Sohn noch in den Kindergarten ging. Als gerade mal 30 - Jährige fühlte ich mich jung und tatkräftig; Job, Haushalt, Kind war doch alles kein Problem - Entspannung, braucht man doch keine, oder?

Jedenfalls betrat ich, es war Winterzeit, wie üblich morgens den Kindergarten. Mein Sohn, warm verpackt mit Schal und Handschuhen und o weia, einer selbstgestrickten Mütze, hängte seine Sachen an den Kleiderhaken. Als er die Mütze gerade auf die Ablage legen wollte, fragte ein Mädchen seine Mutter, was das denn sei? Eigentlich zeigte das Kind auf etwas ganz anderes im Raum, doch anscheinend war die Mutter so fasziniert von dieser Mütze, dass sie darauf starrte und meinte: " Ja, sooooo was hat man früher mal getragen". Wieso hatte ich auf einmal das Gefühl älter als meine Großmutter zu sein? Mittlerweile hatten sich noch weitere Mütter eingefunden, die dieses Fossil betrachteten. Mein Hinweis :" Stricken sei für mich Entspannung", brachte mir ein mitleidvolles Lächeln ein. Heute wäre doch eher Sport angesagt: Laufen sei "in", oder Tennis.
Und ich dachte immer: Jeder so, wie es ihm gefällt, das eine schließt das andere ja nicht aus. Doch meine Freude am Handarbeiten hat dieses Erlebnis nicht geschmählert.

Dieses Buch von Anfang der 80 er Jahre (ich glaube, das gab es damals bei Tchibo), voll mit Ideen für kleine und größere Geschenke, habe ich jetzt mal wieder hervorgeholt.

Darin fand sich eine Anleitung für ein Halstuch, welches mir als Anregung für dieses Schultertuch diente. Verstrickt habe ich hier verschieden Reste aus 100% Baumwolle in kraus rechts.

Und weil es soooo entspannend ist, sind im Anschluss daran noch diese Spiralsocken entstanden.
Das sind jetzt meine Bettsocken. Sie waren eher als Sommesocken gedacht, gestrickt aus Bambuswolle mit Nadelstärke 3. Sie tragen sich angenehm auf der Haut und sitzen perfekt, aber in Schuhen getragen, läuft es sich auf längere Zeit durch das Muster etwas unangenehm.

Und noch ein kleiner Nachtrag: Vor etwa einem Jahr sprach mich besagte Mutter an, ich würde doch viel stricken, wo ich denn meine Wolle kaufen würde? Auf mein erstauntes Gesicht hin, meinte sie, sie wolle für sich und ihre Töchter aus dieser Pomponwolle auch so was machen und zeigte dabei auf meinen lilafarbenen Schal.

Was zeigt das wieder, grübel? Also der Trend muss es legalisieren, damit die Mitmenschen es akzeptieren? Naja, unabhängig davon, ich stricke auch dann noch, wenn der Trend vorüber ist, grins. Denn wie es die Autorin des Zeitungsartikels schon schrieb: " Stricken ist Yoga auf dem Sofa". Na also, da war ich doch schon immer " sportlich", man musste es mir nur mal sagen.

In diesem Sinne viel Spaß beim Handarbeitsyoga wünscht euch allen

Andrea

Kommentare:

  1. Dieses bBuch und noch viel mehr alte Tchibobücher besitze ich auch. Konnte sie nie wegwerfen und hab schon viele Sachen daraus nachgearbeitet. liebe Grüsse Angela

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  2. Liebe Andrea,

    ich bin bekennende Nichtstrickenkönnerin und hab mich immer minderwertig gefühlt, zwischen all meinen strickenden Freundinnen.

    Ich find´s genial wie jede so ihr Plätzchen findet und die anderen lassen wir vor der Tür, oder?

    Danke für Deine Gedanken.

    lG,
    Helga

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  3. haha, ich denke das wird immer so sein das da solche digibeten sind die nicht wissen was sie sagen noch gerade gesehen habe. Hobby wird immer "in" bleiben, und die die nicht basteln auf welche art dan auch, vermissen was finde ich :)) Strick du ruhig weiter und wenn du mal richtig oma bist, bist du bestimmt ein hippie oma :)) den stricken bliebt mode, höre auf meine worten. :)) Ohja, das Buch hatte ich auch mal, aber dann einen noch altere Ausgabe, toll nicht war, un dein schall finde ich einfach toll. GLG, janine die sich sehr amüsiert hat mit deine wie immer lustig geschrieben Geschichte. :)

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  4. Liebe Andrea,
    Dein Post spricht Bände.
    Ja, "Handarbeiten" klingt für Unwissende
    anscheinend immer noch wie ein Schulfach.
    Ignoranten gibt es ja in allen Bereichen.
    Am Besten _wir_ sind auch welche! ;-)))

    Wir las-sen uns das Nä-hen nicht verbiehiten, *träller träller*

    (Handarbeiten hätt' nich in'n Jambus gepaßt....lol)

    Liebgruß,
    Tiger
    =^.^=

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  5. Vor lauter Aufregung ;-)) vergessen:

    Dein Tuch und die Socken
    sind klasse und rocken! ;-)

    und "stricken" und "früher" welch Zufall, paßt grad auch zu meinem Post heut

    GLT

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  6. hallo Andrea,
    wen interessiert, ob irend etwas, was uns SPASS macht gerade "im Trend" ist?
    Phh,die Trend-Mitmacher schmeissen ja doch nur ihr Geld zum Fenster raus, weil alle Anschaffungen für den "neuesten Trend" schön teuer sind und beim nächsten Wechsel (zum nächsten Trend) wieder weggeworfen oder bei ebay verkauft werden. Und da könne WIR dann wieder billig einheimsen, was wir schon lange suchen,oder? *lol*

    (Danke für deinen Kommentar auf meinem Blog :o))
    LG Doris

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  7. Liebe Andrea,
    diese großen "alten" Handarbeitsbücher sind sehr schön und haben eine Fülle von tollen Anleitungen, Anregungen, Tipps und Tricks parat und ich nehme mir einfach die Zeit, in ihnen zu stöbern und vieles, was heute "neu" ist, findet man dort wieder...alles schon mal da gewesen... so ist das auch mit dem Stricken, Nähen, Häkeln...meine Urgroßmutter strickte noch mit 90 Jahren...

    liebe Grüße zu Dir von Traudi

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  8. Deine Spiralsocken gefallen mir. ich wollte mich auch gerne mal daran versuchen, weil man die Ferse weglassen kann. Kannst Du diese STrickart empfehlen?
    lg Veri

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  9. Hallo Andrea,
    die Bücher sind klasse, die Ideen darin sind gut und wenn man sie mit moderneren Materialien umsetzt absolut klasse. Davon habe ich auch einige. Manches kehrt auch einfach wieder.

    Liebe Grüße Andrea

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Danke für euren lieben Worte.